April 2026 · Jemke Green IT Redaktion · 6 Min. Lesezeit
167 Mio. Alt-Handys in deutschen Schubladen — ein stilles Vermögen
Das ergiebigste Bergwerk Deutschlands liegt nicht unter der Erde, sondern in Schreibtischschubladen und Umzugskartons. Rund 167 Millionen Alt-Handys warten dort – voller wertvoller und endlicher Rohstoffe.
Illustration · Jemke Green IT
Eine Zahl, die alles sagt
Der Digitalverband Bitkom beziffert die Zahl ungenutzter Alt-Handys in deutschen Haushalten im April 2026 auf rund 167 Millionen Geräte – nach 210 Millionen im Jahr 2022. Der Rückgang ist ein gutes Zeichen, aber das verbleibende Volumen ist gewaltig.1
Warum die Schublade das Problem verschärft
In einer Tonne ausgedienter Smartphones steckt deutlich mehr Gold als in einer Tonne Golderz – das meinen Fachleute mit „Urban Mining“: der Stadt als Rohstofflager.2,3 Doch der Schatz verfällt: Lithium-Akkus lagern nicht ewig sicher, sie können auslaufen oder sich aufblähen. Je länger ein Gerät ungenutzt liegt, desto schlechter lässt es sich später verwerten – und desto höher ist das Brandrisiko im Restmüll.
Der einfachste Schritt
Großhändler für Elektronik und viele Supermärkte sind unter bestimmten Voraussetzungen zur kostenlosen Rücknahme verpflichtet; kleine Geräte wie Handys kann man dort meist auch ohne Neukauf abgeben. Noch besser: funktionsfähige Geräte spenden oder refurbished weitergeben – dann bleibt nicht nur das Material, sondern der ganze Wert erhalten.
Vom Vermögen zur Wirkung
Würde nur ein Teil dieser 167 Millionen Geräte in den Kreislauf zurückkehren, ließen sich Tonnen an Gold, Kupfer, Kobalt und Seltenen Erden zurückgewinnen – und ein großer CO₂- und Wasser-Rucksack neuer Geräte vermeiden. Die Schublade zu öffnen ist die niedrigschwelligste Klimaschutzmaßnahme überhaupt.
Quellen & Literatur
- Bitkom (15. April 2026). Deutsche horten noch 167 Millionen Alt-Handys. bitkom.org
- Umweltbundesamt. Elektroaltgeräte / Urban Mining. umweltbundesamt.de
- USGS (2025). Mineral Commodity Summaries 2025. pubs.usgs.gov