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⚖️ EU-Recht

Mai 2026 · Jemke Green IT Redaktion · 9 Min. Lesezeit

Das Recht auf Reparatur — was das EU-Gesetz wirklich bedeutet

Im Juli 2024 trat die EU-Richtlinie 2024/1799 zur Förderung der Reparatur von Waren in Kraft. Sie schafft ein Recht auf Reparatur für Produktgruppen, für die EU-Reparierbarkeitsanforderungen bestehen, stärkt die Information der Verbraucher und verlängert die Verkäuferhaftung bei Reparatur. Bis Juli 2026 muss Deutschland umsetzen — und die Lücken sind noch real.

Hände reparieren ein Mobiltelefon

Foto: Unsplash (freie Nutzung) · Reparatur ist Können — und bald ein Recht

Warum dieses Gesetz historisch ist

Reparieren war lange der Normalzustand. Schuhe wurden neu besohlt, Kleider geflickt, Geräte vom Fernsehtechniker gebracht. Der Wegwerfgesellschaft folgte eine Industrie, die das absichtlich änderte: kürzere Produktlebenszeiten, proprietäre Schrauben, digital gesperrte Ersatzteile, geplante Obsoleszenz.

Die EU-Richtlinie 2024/1799 über das Recht auf Reparatur1 ist die gesetzliche Antwort darauf. Sie knüpft an Produktgruppen an, für die EU-Reparierbarkeitsanforderungen bestehen — darunter Smartphones und Tablets über separate Ökodesign-Regeln, außerdem bestimmte Haushaltsgeräte. Klassische Laptops fallen derzeit nicht pauschal in denselben Anwendungsbereich. Die Umsetzungsfrist für EU-Mitgliedstaaten läuft bis zum 31. Juli 2026.

Wichtig: Die Richtlinie schreibt den Rahmen vor — die nationalen Umsetzungsgesetze bestimmen, wie stark er tatsächlich greift. Right to Repair Europe berichtet 2026, dass einige Mitgliedstaaten die Transpositionsfrist zu verpassen drohen.2

Was das Gesetz konkret vorschreibt

Was das Gesetz noch nicht regelt

Werkzeug und Ersatzteile — Reparatur Workshop

Foto: Unsplash (freie Nutzung) · Reparatur-Werkstatt: Skill, Geduld und die richtigen Teile

Was iFixit schon jahrelang gefordert hat

Die Reparierbarkeit von Smartphones war lange ein Marketing-Fehlthema. Apple verklebte Akkus, verwendete Pentalobe-Schrauben, die nur mit Spezialwerkzeug zu öffnen sind, und veröffentlichte Apple vs. Corellium-Entscheidungen, die Drittanbieter-Diagnose-Software kriminalisierten.

"Geräte zu reparieren sollte ein Grundrecht sein — nicht ein Privileg für diejenigen, die den Hersteller bezahlen können." — iFixit, Repair Manifesto

Das EU-Gesetz greift direkt diese Praktiken an. Apple hat seit Bekanntgabe der Richtlinie sein "Self Service Repair"-Programm auf Europa ausgeweitet und macht mehr Ersatzteile für Endverbraucher zugänglich. Ob das freiwillig aus Überzeugung geschieht oder aus rechtlicher Notwendigkeit, ist eindeutig.

Wie Deutschland bisher umgesetzt hat — und was fehlt

Der Stand im Mai 2026: Deutschland ist dabei, die Richtlinie in nationales Recht zu transponieren. Die Umsetzungsfrist endet am 31. Juli 2026. Laut dem Right to Repair Europe Coalition-Bericht 20262 drohen einige Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, knapp an der Deadline vorbeizuschrammen — oder mit schwachen Umsetzungsgesetzen zu transponieren, die den Wortlaut des EU-Textes unterschreiten.

Gleichzeitig ist Deutschland Heimat einer aktiven Repair-Café-Bewegung mit über 2.500 aktiven Standorten. Das gesellschaftliche Interesse an Reparatur ist da — es braucht jetzt die rechtliche Infrastruktur.

Was du jetzt schon tun kannst

Recht auf Rücknahme nutzen: Jeder Elektrohändler (auch online) muss Altgeräte kostenlos zurücknehmen — auch ohne Neukauf. Das gilt seit 2022 und ist wenig bekannt.

Unabhängige Werkstätten wählen: Reparaturen bei unabhängigen Werkstätten kosten oft weniger als beim Hersteller — und das neue Recht sichert ihnen den Zugang zu Ersatzteilen und Anleitungen.

Reparierbarkeit beim Kauf beachten: Seit 20. Juni 2025 müssen neue Smartphones und Tablets in der EU ein Energielabel mit Reparierbarkeitsklasse tragen. Der französische Reparierbarkeitsindex nutzt eine 1–10-Skala; Fairphone 5 erreicht dort 9,3 von 10 und bei iFixit 10 von 10.

Reparierte Leiterplatte — Technik mit Zukunft

Foto: Unsplash (freie Nutzung) · Eine reparierte Leiterplatte hat noch Jahre vor sich

Fazit: Ein Gesetz als Anfang — kein Ende

Die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur ist das Stärkste, was bisher gesetzlich verankert wurde. Aber Gesetze sind so gut wie ihre Umsetzung. Die entscheidenden Jahre sind jetzt: Wie transponieren die Mitgliedstaaten? Wie konsequent setzen Behörden durch? Wie nutzen Verbraucher ihre neuen Rechte?

Bei Jemke glauben wir: Das Recht auf Reparatur ist nicht nur ein Konsumentenschutzgesetz. Es ist ein Klimaschutzgesetz. Jedes reparierte Gerät ist Kobalt, das nicht abgebaut werden muss. Lithium, das im Kreislauf bleibt. Ein Schritt weg vom Wegwerfen und hin zu einer Ökonomie, in der Dinge wieder etwas wert sind.

Quellen & Literatur

  1. Europäisches Parlament und Rat der EU (2024). Richtlinie (EU) 2024/1799 zur Förderung der Reparatur von Waren. OJ L, 10.7.2024. EUR-Lex
  2. Right to Repair Europe (Februar 2026). The State of Right to Repair in 2026. repair.eu
  3. Europäisches Parlament und Rat der EU (2024). Verordnung (EU) 2024/1781 (ESPR — Ecodesign for Sustainable Products). EUR-Lex
  4. iFixit (2024). Repair Manifesto. ifixit.com
  5. Global E-waste Monitor 2024. ITU/UNITAR. ewastemonitor.info
  6. Fairphone (2025). Fairphone Impact Report 2024. fairphone.com (PDF)
  7. Ellen MacArthur Foundation (2023). Circular Consumer Electronics. ellenmacarthurfoundation.org
  8. Öko-Institut (2023). Ressourceneffizienz und Produktlebensdauer in der Elektronikindustrie. oeko.de
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